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Offene Türen für Demenzkranke in Holzwickede eingerannt

Ungewöhnlicher Kurs der Diakoniestation mobilisiert geballtes Engagement

Dass er gelegentlich etwas vergessen hat, war gar nicht mal das Schlimmste. „Er wurde immer nervöser und ungeduldig“, erinnert sich Annegret Humann (Name geändert) an den Beginn der Demenzerkrankung bei ihrem Lebensgefährten. Inkontinenz, Diabetes und Parkinson kamen dazu. „Seine Stimmung schwankt erheblich und manchmal wird er richtig aggressiv.“ Die Krankheit kam vor gut drei Jahren schleichend. Als Annegret Humann von dem Kurs „Schlüssel zum Verstehen“ für den Umgang mit Demenzerkrankten hörte, meldete sich die 72-Jährige sofort an.

Wie so viele andere. „Wir haben hier in Holzwickede wahrlich offene Türen eingerannt“, betont Jochen Laible, Pflegedienstleiter der Diakoniestation. Er beschäftigt sich schon seit gut zehn Jahren mit dem Thema Demenz und hat entsprechende Kurse bereits in vielen Städten organisiert. „So etwas wie hier habe ich jedoch noch nie erlebt“, erzählt er. „Schon nach einem Tag war der Kurs voll.“ Nicht nur Angehörige von Demenzerkrankten wollten hier lernen, wie man die Krankheit erkennt, mit ihr umgeht und den Kranken den Alltag erleichtert. Es meldete sich auch eine große Zahl von Menschen an, die ehrenamtlich Betroffenen helfen wollen.

Auch Annegret Humann hält jetzt ein Zertifikat zusammen mit einer blühenden Rose in den Händen. 38 Stunden lang hat sie rechtliche Bestimmungen gebüffelt, gelernt, wie das Schmerzempfinden von Demenzerkrankten sich anfühlt und am eigenen Körper erlebt, wie die Ernährung von Kranken bewältigt werden kann. „Ich habe hier viel gelernt, das mich jetzt auch viel ruhiger und sicherer macht“, betont sie. „Ich weiß nun, dass der Kranke den Tagesablauf bestimmt“, erzählt sie. „Wenn er manchmal schimpft und verletzend wird, nehme ich es jetzt nicht mehr so persönlich“.

Langfristiges Ziel des Kurses ist es, dass die ausgebildeten Kursabsolventen über die Diakoniestation an Demenzerkrankte und ihre Angehörigen vermittelt werden. Sie beschäftigen sich mit den Kranken, lesen ihnen vor oder essen zusammen mit ihnen. Damit die Angehörigen einmal ein paar Stunden für sich etwa für Einkäufe oder einen Arztbesuch haben. Denn: „Die Herauforderung Demenz wird auch in Zukunft immer größer, zumal medizinisch gesehen die Chancen gering sind, die Krankheit irgendwann heilen zu können“, so Jochen Laible.

Dennoch pflegen viele Angehörige wie Annegret Humann ihre Angehörigen selbst und sind auf Hilfe angewiesen. „Ich musste es auch erst lernen, meinen Partner trocken zu legen und zu baden“, erzählt sie. „Wir haben aber auch schöne Momente, wenn er einen klaren Tag hat – dann erinnern wir uns an unsere gemeinsamen Urlaube“, berichtet sie. Sie wird ihn pflegen, so lange es geht, denn: „Er will nicht in ein Heim – und andere Verwandte gibt es nicht.“ Nach diesem Kurs fällt es ihr deutlich leichter, auch die schweren Momente zu bewältigen.

 

Informationen

 - Der Kurs „Schlüssel zum Verstehen“ wurde von der Diakoniestation, dem Fachseminar für Altenpflege der Diakonie Ruhr-Hellweg, dem Pertheshaus und der Kirchengemeinde Holzwickede und Opherdicke gemeinsam organisiert.

- Acht Interessenten für den Kurs stehen noch auf der Warteliste. „Wir werden versuchen, eine Neuauflage anzubieten – bis dahin muss aber noch die Finanzierung geklärt werden“, betont Jochen Laible.

- Diakoniepresbyter Wilhelm Cramer von der Kirchengemeinde Holzwickede und Opherdicke, hatte von ähnlichen Kursen in Kamen gehört. „Er ließ nicht locker und wollte uns unbedingt nach Holzwickede holen“, erinnert sich Jochen Laible.

- „Wir haben hier mit dem Projekt Rat und Tat bereits ein ähnliches Angebot und helfen alten Menschen in Not mit Besuchsdiensten“, berichtet Cramer. „Unser Wunsch ist es, Diakonie vor Ort erfahrbarer zu machen“, betont er.

- Wer Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern bei der Pflege von Demenzerkrankten benötigt, kann sich unter Tel. 02303 986040 an die Diakoniestation oder unter Tel. 02301 27980 an die Kirchengemeinde Holzwickede und Opherdicke wenden.