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Lebenslanges Lernen
Lebenslanges Lernen heißt das Schlüsselwort, wenn man auf dem Arbeitsmarkt mithalten, einen Berufs- oder Schulabschluss nachholen oder sich einfach nur weiterbilden will. „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr" hat heute keine Gültigkeit mehr. Lernen hört nach Schule, Ausbildung oder Studium nicht auf, denn Lernen ist das wesentliche Werkzeug zum Erlangen von Bildung und damit für die Gestaltung individueller Lebens- und Arbeitschancen.
Das Fachseminar für Altenpflege in Holzwickede bietet Interessierten seit Jahren neben der Ausbildung zur staatlich anerkannten Altenpfleger/in auch eine Ausbildung zur staatlich anerkannten Altenpflege-Helfer/In an. Die Ausbildungen gliedern sich in einen schulischen Teil, der im Altenpflegeseminar absolviert und in einen praktischen Teil, der in Einrichtungen der stationären und ambulanten Altenpflege vor Ort durchgeführt wird.
Elke Costa (42 Jahre) und Elke Warnecke (44 Jahre) haben vor zweieinhalb Jahren die Ausbildung begonnen. Beide Frauen haben zwei Kinder und waren in ihrer ersten Berufsphase in anderen Berufsfeldern tätig. Verena Preuß führte mit ihnen ein Interview und wollte wissen, was die Ausbildung für ihre persönliche Perspektive bedeutet.
Was haben Sie beruflich gemacht bevor, Sie sich beim Altenpflegeseminar beworben haben?
E. Costa: Vor 22 Jahren habe ich eine Ausbildung zur Drogistin gemacht. Als mein Sohn 2 Jahre alt war, habe ich durch Zufall eine Anstellung als Aushilfe in einer ambulanten Pflegestation der Diakonie bekommen. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, als Hausfrau und Mutter berufstätig zu sein. Durch meine Erfahrungen konnte ich nach unserem Umzug 1997 eine Anstellung im Holzwickeder Altenpflegeheim des evangelischen Perthes-Werk bekommen. Seit 2005 ist mein Arbeitsgeber auch mein Ausbildungsträger.
E. Warnecke: Ich habe Einzelhandelskauffrau gelernt. Dann habe ich mich meiner Familie und meinen beiden Söhnen gewidmet, was mich über Jahre wegen der Behinderung meines Ältesten voll in Anspruch genommen hat. Bevor ich die Ausbildung zur Altenpflegerin begann, war ich in meiner jetzigen Ausbildungsstätte in Unna, im Seniorenzentrum „Haus Husemann“, in der Hauswirtschaft tätig.
Was waren Ihre Motivation und Ihr Interesse, sich im Altenpflegeseminar fortbilden zu lassen?
E. Warnecke: Durch meine Tätigkeit als Hauswirtschafterin bekam ich einen guten Einblick in den Beruf der Altenpflegerin. Vor allem der persönliche Umgang mit den Bewohnern und Bewohnerinnen weckte in mir das Interesse den Beruf zu erlernen.
E. Costa: Als ich vor 15 Jahren zufällig in diesen Beruf einstieg, spürte ich sofort, dass ist „mein Beruf“. Nun gehen meine Kinder bald aus dem Haus und ich will mich wieder sinnvoll im Beruf engagieren. Um meine Chance auf eine Vollzeitbeschäftigung zu erhöhen, muss ich mich weiterqualifizieren. Unterstützt durch meinen Arbeitsgeber und das Fachseminar nehme ich diese Chance wahr.
Welche persönlichen Perspektiven entwickeln sich für Sie durch die Ausbildung?
E. Costa: Mir persönlich gibt die Ausbildung die Möglichkeit mit Anfang 40 noch mal durchzustarten. Es gibt mir ein gutes Gefühl und die Sicherheit, dass es nie zu spät ist, sich umzuorientieren. Es ist eine Frage der Motivation und des Willens, nicht des Alters, etwas zu lernen. Meine Hauptmotivation ist eine Vollzeitbeschäftigung zu bekommen.
E. Warnecke: Für mich ist der Beruf der Altenpflegerin ein Beruf mit Zukunft und ich hoffe durch diese Ausbildung eine gute Grundlage zu haben, um in dem Beruf noch lange Jahre tätig sein zu können. Besonders motivierend sind dabei die ehrliche Zuneigung und die kleinen Fortschritte der Bewohner und Bewohnerinnen, die ich unterstützen und miterleben kann.
Was gefällt Ihnen besonders gut an der Ausbildung?
E. Warnecke: An der Ausbildung gefällt mir besonders gut, dass Theorie und Praxis eng verbudnen sind. Das im Altenpflegeseminar erworbene theoretische Wissen kann ich in meinem Ausbildungsbetrieb gleich in die Praxis umsetzen und so mein Können erweitern.
E. Costa: Diese Verknüpfung von Theorie und Praxis gefällt auch mir besonders gut. Durch die Ausbildung sehe ich den alten, pflegebedürftigen Menschen aus einem ganz anderen Blickwinkel. Die Gesellschaft reduziert in der Regel das Alter auf Krankheit und Gebrechen. Aber es steckt so viel mehr in den alten Menschen. Wir werden nicht nur geschult Krankheiten zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, sondern auch Stimmungen, Befindlichkeiten wahrzunehmen und sie im Zusammenhang der Biographie des Menschen zu sehen. Das finde ich sehr aufregend und spannend.
Wie empfinden Sie das Team und die Atmosphäre im Altenpflegeseminar?
E. Warnecke: Ich empfinde sowohl das Team als auch die Atmosphäre als sehr angenehm. Die Schulleiterin und die Dozenten unterstützen uns auch bei Problemen und Fragen außerhalb der Ausbildung.
E. Costa: Was uns in der Ausbildung beigebracht wird, nämlich den Menschen als Ganzes von Körper, Geist und Seele zu sehen, wird auch von den Dozenten und Dozentinnen uns Schülern gegenüber gelebt. Sie sind für uns gute Vorbilder im wertschätzenden Umgang mit Menschen und wir können von ihnen im Schulalltag lernen. Wir sind eine sehr heterogene Gruppe von 21 Schülern, dennoch wird jede Einzelne so angenommen, wie er ist und individuell gefördert.
Viele Einrichtungen haben erkannt, wie wichtig ältere Mitarbeitende für ihr Unternehmen sind. Sie schätzen besonders deren Erfahrungswissen, Verlässlichkeit und Qualitätsbewusstsein. Deshalb integrieren sie erfahrene Mitarbeitende in die betriebliche Weiterbildung oder unterstützen Ausbildungen und Qualifizierungen. Elke Costa und Elke Warnecke stehen ihren Arbeitgebern sehr loyal gegenüber. Sie entlohnen den Einsatz ihrer Ausbildungsbetriebe mit viel Engagement und Begeisterung für die Arbeit. Beide Frauen können sich gut vorstellen, dass dies nicht ihre letzte Weiterqualifizierung gewesen ist.
