Stark für andere
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Raus aus dem Alltag
Schritt für Schritt bergauf
Urlaub vom Therapiealltag - Outdoor-Klettern in der Eifel mit Patienten der Beusingser Mühle
„Es war was besonderes, ein bisschen wie Urlaub… raus aus dem Therapiealltag, mal was anderes sehen,“ so beschreibt Bianca D., 21 Jahre die Freizeit in der Eifel, an der 9 Patientinnen und Patienten der Beusingser Mühle, stationäre Drogentherapieeinrichtung bei Soest, teilgenommen haben. „Ich kam von der Straße, war gerade mal 6 Wochen in Therapie und es war das erste Mal, dass ich mich in einer Gruppe mit nüchternen Menschen erlebt habe,“ erinnert sich Donvan C., 22 Jahre.
Thema der Freizeit, die im vergangenen August stattgefunden hat, war das Outdoor-Klettern. Neun Patientinnen und Patienten zwischen 18 und 35 Jahren, zwei Therapeuten und eine erfahrene Klettertrainerin machten sich auf den Weg in die Eifel bei Niedeggen, um die Steinwände zu bezwingen. Als Unterkunft dienten zwei Personenzelte und ein großes Gemeinschaftszelt mit mobiler Küche. Als besondere Herausforderung für die Gruppe galt das Regenwetter und der kühle August 2007.
„Das Klettern an den Felsen war super. Aus eigener Kraft an einer Steinwand zu klettern, sichere Tritte zu finden, die Angst zu überwinden und letztendlich ganz oben zu stehen, dass hat großen Spaß gemacht,“ erzählt Hakan Y., 30 Jahre, mit Rührung in den Augen.
Mike S., 35 Jahre, macht eine abschätzende Kopfbewegung, bevor er von seiner Sichtweise auf die Freizeit berichtet: „Für mich standen die Erfahrungen mit der Gruppe mehr im Vordergrund. Alle hatten ein gemeinsames Ziel vor Augen und der Gruppenzusammenhalt, war richtig stark. Es gab keinen anderen Weg, wir mussten zusammen arbeiten: beim Zeltaufbau, Kochen, Sichern am Fels, und Leben auf engen Raum im Zelt. Das hat alle zusammengeschweißt, obwohl es auch Konflikte gab.“ Donvan C. nimmt das Stichwort Konflikt auf und berichtet von seiner größten Überwindung während des Klettertrainings: „Es gab eine Person in der Runde, die ich überhaupt nicht leiden konnte und ich fühlte, wie in mir der Druck gegen diese Person wuchs. In einer der abendlichen Reflexionsrunden habe ich dann den Mut zusammen genommen und es vor allen gesagt, dass ich Schwierigkeiten mit dem Betreffenden habe. Das war das erste Mal, dass ich nicht weggelaufen bin, mich zu gedröhnt habe oder meine Fäuste benutzt habe, um Konflikte zu lösen. Es war ein großer Erfolg und ein gutes Erlebnis für mich.“
Kommunikation, Vertrauen, Selbstbewusstsein sind drei Hauptworte beim Klettern. Kommunikation mit dem Partner an der Wand sind Grundvoraussetzungen beim Klettern. Ebenso bedeutsam ist Vertrauen in sich und sein Können, in die Person, die sichert und auch in das Material und die Gurte. Das Selbstbewusstsein wächst mit jedem Schritt, den man an der Wand verspürt. Die kleinen und großen Erfolgserlebnisse beflügeln das Selbstbewusstsein. „Ich hing irgendwo in der Mitte des Felsens als ich das Gefühl hatte es geht weder vorwärts, noch rückwärts und meine Knie und Finger verkrampften sich. Als ich nach oben schaute, sah ich schon die Spitze und an der Kante davor, blühte eine gelbe Blume. Ich starrte die Blume an und steckte sie mir als Ziel. Mit jedem kleinen Schritt kam ich ihr ein paar Zentimeter näher. Als ich oben war und sie abpflückte, war das ein berauschendes Erlebnis und ich war sehr glücklich über mich selber,“ schildert Bianca D. ihren ersten Klettererfolg. Danvan C. greift das Ereignis auf und vergleicht die Situation mit dem Alltag: „Es ist wichtig, dass wir jeden Tag unser Ziel vor Augen halten und ihm immer wieder von Neuen, mit sicheren Schritten, etwas näher kommen.“ „Von neun Personen, die damals auf der Freizeit mit waren, sind heute noch vier drogenfrei. Ich weiß nicht, ob dass an der Freizeit liegt, aber bestimmt etwas an der eigenen Einstellung und der Motivation,“ stellt Mike S. fest. „Für mich ist das Klettern heute Teil meiner Freizeit geworden. Es macht mir viel Spaß und gibt mir jedes Mal eine Herausforderung meine Leistungen zu übertreffen. Es bedeutet mir viel, gerade für mein Ziel Clean zu bleiben,“ versichert Hakan Y.
Alle Vier haben die Beusigser Mühle seit einigen Monaten verlassen und leben nun in Dortmund in einem Nachsorge Netzwerk, das ihnen hilft, wieder ein eigenständiges, drogenfreies Leben zu führen.
