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Eine gute Gesprächsbeziehung aufbauen

Zum Welttag der Suizidprävention am 10. September:

Die TelefonSeelsorge der Diakonie hilft Menschen in existenziellen Notsituationen

Die Mitarbeitenden der TelefonSeelsorge sind für Anrufende in Not da. Foto: drh

Hochsauerlandkreis (drh) - Jedes Jahr sterben in Deutschland etwa 10.000 Menschen durch Suizid. Das sind mehr als durch Verkehrsunfälle ums Leben kommen. Der weltweit begangene "Tag der Suizidprävention" am Dienstag, 10. September, möchte der Betroffenen gedenken und den Blick auf ein sonst vielfach verdrängtes Thema lenken. Bei der Prävention von Suiziden spielt die Telefonseelsorge eine wichtige Rolle, die vor etwa 60 Jahren flächendeckend in Deutschland eingeführt wurde. Hier vor Ort ist es die TelefonSeelsorge Hochsauerland der Diakonie Ruhr-Hellweg, die Anrufenden in emotionalen Ausnahmesituationen zur Seite steht.

Einsamkeit und Ängste, depressive Stimmungen und psychische Krankheiten sind häufige Gründe, warum Menschen zum Hörer greifen. Auch körperliche Beeinträchtigungen, Konflikte bei der Arbeit oder in der Familie spielen eine Rolle. "Ratsuchende können bei uns fachlich geschulte und zur Verschwiegenheit verpflichtete Gesprächspartner finden, die sie in ihrer jeweiligen Situation ernst nehmen, ihnen im Krisenfall beistehen und ihre Anonymität wahren", sagt Dirk Grajaszek, Leiter der TelefonSeelsorge Hochsauerland. "Unser Angebot besteht im Zuhören und Klären, im Ermutigen und Mittragen, im Hinführen zu eigener Entscheidung und gegebenenfalls im Hinweis auf geeignete Fachleute. Die Anonymität am Telefon hilft den Ratsuchenden dabei, sich zu öffnen und belastende Themen anzusprechen."

Manchmal ist die Verzweiflung der Anrufenden so groß, dass sie suizidgefährdet sind. Im Jahr 2018 meldeten sich insgesamt mehr als 4.000 Menschen bei der TelefonSeelsorge Hochsauerland. Rund 40 von ihnen äußerten, an Suizid zu denken. Für die Mitarbeitenden der TelefonSeelsorge sind dies besonders herausfordernde Momente. Ein "Patentrezept", wie man in solchen Situationen reagiert, gebe es natürlich nicht, sagt Grajaszek. "Aber ein einfühlsames Gespräch kann eine erste Brücke sein." Entscheidend sei, inwieweit es gelinge, eine gute Beziehung am Telefon aufzubauen. Von pauschalen Ratschlägen wie "Bald kommen bessere Zeiten" rät der Experte dringend ab. "Stattdessen versuchen wir, den Menschen dabei zu helfen, ihr Leben aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten", erklärt er. "Welche positiven Erfahrungen und Erlebnisse gibt es? Was hat ihn oder sie bisher im Leben gehalten? Das gilt es, im Gespräch zu erspüren und zu verstärken."

Etwa 35 ehrenamtliche Mitarbeitende beider Konfessionen engagieren sich derzeit aktiv bei der TelefonSeelsorge Hochsauerland. Auf ihren verantwortungsvollen Dienst werden sie in einem 15-monatigen Ausbildungskursus vorbereitet. Darin beschäftigen sie sich intensiv mit Gesprächsführung und Möglichkeiten der Krisenintervention. Auch Selbsterfahrung ist ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung, damit die Teilnehmenden ihre eigenen Verhaltensmuster und Wertvorstellungen besser kennenlernen und mit diesen bewusst umgehen können. Für die Aktiven bietet die Diakonie regelmäßig Fortbildungen, den Erfahrungsaustausch im Team und Supervision.

Die Ehrenamtlichen erleben ihren Dienst als wertvoll und bereichernd. "Die Mitarbeit bei der TelefonSeelsorge verhilft mir zu persönlichem Wachstum", sagt Tanja Z. (Name geändert). Ähnlich empfindet Marc L. (Name geändert). "Für jemanden da zu sein, etwas zu bewirken - das inspiriert mich auch für die eigene Lebensführung." Und Petra L. (Name geändert) fasst zusammen: "Es ist eine Aufgabe mit großer Wirkung, ganz nah bei den Menschen."

Die Telefonseelsorge ist kostenfrei zu erreichen unter der Nummer (08 00) 1 11 01 11 oder (0800) 1 11 02 22.




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