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„Es zerreißt einem das Herz“

Menschen aus Afghanistan suchen zurzeit vermehrt die Flüchtlingsberatung der Diakonie auf

 

Zeinab El Zein und ihre Kolleginnen und Kollegen können zurzeit nur Hoffnung geben. Foto: drh

Soest (drh) - "Es zerreißt einem das Herz", sagt Zeinab El Zein. "Da sitzt mir gegenüber ein junger Mann, der mir sagt, dass sie zu Hause in Afghanistan wahrscheinlich gerade seinen Bruder umbringen. Und ich kann nichts tun außer zuhören."

Das, was Zeinab El Zein aus der Flüchtlingsberatung der Diakonie Ruhr-Hellweg in Soest schildert, ist gerade trauriger Alltag in den Räumen im 1. Obergeschoss in der Wiesenstraße und den anderen Standorten der Flüchtlingsberatung.

Seit dem Abzug von Bundeswehr und nun auch den letzten US-Flugzeugen und der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan steht das Telefon bei der Diakonie nicht mehr still, Frauen und Männer kommen in verzweifelter Angst um ihre Angehörigen zu El Zein und ihren Kolleginnen und Kollegen in den weiteren Beratungsstellen.

"Die Menschen möchten mit allen Mitteln ihre Familien da rausholen. Wir sehen quasi dabei zu, wie die Klienten die Nachricht bekommen, dass ihr Sohn oder ihre Mutter tot oder verschollen ist."

El Zein und mit ihr das ganze Team der Flüchtlingsberatung können nur Hoffnung geben und die Kontaktdaten der Klienten aufnehmen, damit - sobald ein Aufnahmeprogramm oder Ähnliches auf den Weg gebracht wird - sie hoffentlich ihre Angehörigen bald nach Deutschland holen können.

Heinz Drucks, Leiter der Flüchtlingsberatung der Diakonie, untermauert: "Seit Mitte August kommen täglich bis zu zehn Menschen zu uns, 30 schreiben uns verzweifelte E-Mails, und wir bekommen zig Anrufe pro Tag. Die Menschen fragen uns, in welches Land sie ihre Angehörigen lotsen sollen, welche Botschaften Möglichkeiten haben und wo man am sichersten ist. Ist es Pakistan, Usbekistan? Tatsächlich haben auch wir diese Infos nicht. Es gibt keine Aussagen darüber, welche Botschaft zuständig ist."

Drucks beschreibt ein Gefühl der Ohnmacht. "Zurzeit sind wir nur Zuhörer für unglaubliches Leid. Wir halten aus. Wir sehen schlimme Fotos auf den Handys der Klienten. Davor können wir uns noch schützen und sagen, wir möchten das nicht sehen. Aber die Nöte und Ängste, das verzweifelte Weinen, das können wir nicht abstellen. Und das muss auch raus bei den Menschen." Das schlimmste an der jetzigen Situation ist für den erfahrenen Berater die eigene Hilflosigkeit: "Ich mache das seit 20 Jahren, aber nicht, wie jetzt, ohne jede Information, was ich den Menschen sagen kann, wie ich vermitteln kann. Das macht es unerträglich."


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