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„Die Betroffenen wissen nicht mehr ein noch aus“

Aktionswoche Schuldnerberatung: Existenzielle Notlagen durch Pandemie verstärkt

Durch die Pandemie sind immer mehr Menschen in Geldnot geraten. Symbolfoto: Fotolia@Gina Sanders

Hochsauerlandkreis (drh) - Die Schuldnerberatung muss bedarfsgerecht ausgebaut werden, um die in der Corona-Pandemie gestiegene Zahl verschuldeter Menschen besser unterstützen zu können. Das machen die Diakonie Ruhr-Hellweg und der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF Brilon e.V.) deutlich. Mit ihren Schuldnerberatungen stehen sie Menschen im Hochsauerlandkreis zur Seite, die ihre bestehende oder drohende Überschuldung nicht mehr aus eigener Kraft bewältigen können. Den Start der bundesweiten Aktionswoche Schuldnerberatung am 7. Juni nehmen sie zum Anlass, um auf den Alltag der Betroffenen und die Arbeit der Beratungsstellen aufmerksam zu machen.

"Jeder Mensch kann plötzlich in die Lage kommen, dass er seinen Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten kann", sagt Christoph Straub, Leiter der Schuldnerberatung bei der Diakonie Ruhr-Hellweg. Gerade in der Corona-Krise habe sich das gezeigt. "Durch Kurzarbeit oder Kündigung wurden die Einkäufe des täglichen Lebens plötzlich zur Herausforderung. Kredite konnten nicht mehr getilgt werden, der Verlust der eigenen vier Wände drohte. Homeschooling machte für Familien eine gewisse technische Ausstattung nötig", nennt er einige Beispiele. "Das bildet sich in der Arbeit der Schuldnerberatungen ab."

"Jobsorgen, wirtschaftliche Not, Verunsicherung, Zukunftsangst - all das nehmen wir in den Beratungsgesprächen verstärkt wahr", bestätigt Iris Mund, Geschäftsführerin des SkF Brilon e.V. Durch die Pandemie seien zunehmend auch Solo-Selbständige und Freiberufler von Überschuldung bedroht. "Viele Existenzen sind prekär aufgestellt. Wir sprechen da mittlerweile nicht mehr nur über Empfängerinnen und Empfänger von Grundsicherung und Beschäftigte im Niedriglohnsektor." Das Problem nehme in allen Schichten zu. "Jetzt drohen auch Menschen in Verschuldung zu geraten, die es vorher niemals für möglich gehalten hätten", sagt Christoph Straub. "Und die Auswirkungen der Krise halten weiter an. Wir gehen davon aus, dass der Beratungsbedarf noch steigen wird und wir an unsere Kapazitätsgrenzen stoßen werden."

Um den Ratsuchenden zu helfen, entwickeln die Beratungsstellen von Diakonie und SkF e.V. individuelle Wege, um Ausgaben zu verringern oder Einnahmen zu erhöhen. Entsprechend der finanziellen Möglichkeiten wird ein Tilgungsplan erarbeitet und/oder das gerichtliche Verbraucherinsolvenzverfahren eingeleitet. Außerdem werden Fertigkeiten vermittelt, um erneute Geldnot zu vermeiden. Die Schuldnerberatungen sollen Struktur geben und die nötige rechtliche Unterstützung bieten, um Betroffenen einen Ausweg aufzuzeigen.

"Uns geht es um die Menschen hinter den Schulden. So wie es auch das Motto der Aktionswoche "Der Mensch hinter den Schulden" ausdrückt", betont Iris Mund. "Überschuldung ist auch immer eine menschliche Katastrophe. Sie schränkt die Lebensgrundlage ein. Sie führt zu Existenzängsten und häufig zu erheblichen psychischen Belastungen. Die Betroffenen wissen nicht mehr ein noch aus."

Die Schuldnerberatungen von Diakonie und SkF Brilon e.V. arbeiten eng zusammen. Die Diakonie ist im HSK für Ratsuchende aus Arnsberg, Sundern und Meschede da. Der SkF unterstützt überschuldete Menschen aus dem Altkreis Brilon.


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